Das Bild zeigt den Kopf eines Menschen, der einen Kompass enthält und in den eine Fülle von Informationen und Eindrücken fließt. Unternehmen müssen bunt werden!

Müssen wir Kontrolle aufgeben und Diversität fördern?

 

In unserem vergangenen Beitrag „Qualität in der VUKA-Welt“ hatten wir ausgeführt, welchen besonderen Anforderungen eine zeitgemäße Unternehmensführung zu entsprechen hat. Nur mit dem Fokus auf ein neu begründetes Qualitätsverständnis können wir nachhaltigen Unternehmenserfolg erzielen. Eine Institution wie das konventionelle Qualitätsmanagement steht einer zukunftsfähigen Gestaltung der Organisation im Weg.  Es ist notwendig, Kontrolle aufzugeben und Diversität zu fördern. Auf diese Weise werden neue Energien und Gestaltungsspielräume für unsere Unternehmen eröffnet.

Qualität ist viel zu kostbar, um sie in eine Institution zu sperren.

Denn nur Qualität, als unternehmensleitender Wert und Kernkompetenz, kann in unserer Zeit zu nachhaltigem Erfolg verhelfen.

Damit die Qualität den ihr gebührenden Platz im Unternehmen einnehmen kann, schlagen wir sechs Qualitätsprinzipien vor, die die wesentlichsten Aspekte des neuen unternehmerischen Denkens und Handelns beschreiben sollen. 

 

Warum und wozu brauchen wir Qualitätsprinzipien?

Methods are many, principles are few. Methods change often. Principles never do.

In unserer unübersichtlichen, sich rasend schnell verändernden Welt kann man leicht die Orientierung verlieren. Feste Regeln sind nicht mehr wirksam, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern. Wir wollen Ihnen, anstelle von Regeln, Prinzipien vorstellen, die wir für allgemein gültig für eine zeitgemäße und zukunftsfähige Unternehmensführung halten.

„Prinzipien sind wie Leuchttürme.“ (Stephen R. Covey)

Die Umsetzung der sechs von uns vorgeschlagenen Prinzipien soll zum Entstehen und zur Sicherung von Qualität führen.

 

Wie ist mit den Qualitätsprinzipien zu arbeiten?

Um die Prinzipien, die wir empfehlen, zu verdeutlichen, haben wir sie jeweils in Opposition zu einem Gegenspieler gesetzt: Prinzip A statt Prinzip B

Die Formulierung „A statt B“ soll heißen:

Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall immer zugunsten von A! Wenden Sie A so großzügig an, wie es Ihnen vertretbar erscheint und wenden Sie B nur an den Stellen an, an denen Sie es für unbedingt notwendig erachten!

 

Das Foto zeigt wie ein Objekt auf einer Töpferscheibe entsteht. Für die kreative Gestaltung muss man die Kontrolle aufgeben.

 

Qualitätsprinzip 6: Gestaltung statt Rationalisierung

Kontrolle aufgeben und Raum für Innovation schaffen!

Die COVID-19-Pandemie hat uns zu manchen Erkenntnissen eingeladen. Eine davon beruht auf der Erfahrung der Verletzlichkeit. Nicht nur persönlich durch die Krankheit. Die Verletzlichkeit unserer hochgradig arbeitsteiligen, auf Kosteneffizienz und Rendite optimierten, durchrationalisierten Wirtschafts- und Versorgungssysteme, die beispielsweise zu bedrohlicher Knappheit bei vermeintlich banalen Produkten wie Schutzmasken führte. Oder bei Basissubstanzen der Pharmazie. Oder bei Pflegepersonal.

Stichwort „Rationalisierung“ – was bedeutet das? Wir sehen bei Wikipedia nach:

„Rationalisierung sind in der Wirtschaft alle Maßnahmen, die zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität, einer Verringerung der Gesamtkosten und zur Gewinnmaximierung beitragen sollen.“

„Oberstes Ziel ist letztlich die vernünftige, zweckmäßige Gestaltung der betrieblichen Verhältnisse unter sich ändernden Bedingungen.“

Wie schon im Begriff Rationalisierung ausgedrückt, reklamiert die beschriebene Vorgehensweise für sich, „vernünftig“ zu sein. Dahinter steht aber ein Vernunftbegriff, den wir heute nicht mehr anwenden sollten: Eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität, die der Gewinnmaximierung dient und Menschen zu Ressourcen macht, ist erwiesenermaßen unvernünftig. Ebenso wie beispielsweise das rückhaltlose Outsourcing, dessen Folgen wir eben schmerzlich erlebt haben.

Wenn Sie Qualität Ihrer Produkte und Prozesse in unserer heutigen Welt anstreben, ist es nötig

  • locker zu lassen,
  • nicht den letzten rechnerischen Cent aus den Prozessen herauspressen zu wollen,
  • Planung zu reduzieren und damit Raum für Innovation zu schaffen,
  • Kontrolle aufzugeben und Vertrauen einziehen zu lassen,
  • Freiheitsgrade der Mitarbeitenden zu erhöhen,
  • mehr Spielraum für Reflexion und Entscheidungen zu schaffen, für Lernen und Entwicklung, für Eigenverantwortung und Kreativität.

Viele der großen Probleme unserer Zeit verdanken wir der lange vorherrschenden, kalten Rationalität. Es ist Zeit für die Gestaltung unserer (Wirtschafts-)Welt mit Herz und Verstand, für die Dominanz sinnvoller, menschenfreundlicher und mitweltschonender Qualität.

Zeitgemäße Qualität verlangt gelockerte Prozesse mit erhöhten Freiheitsgraden für die Mitarbeitenden.

Das Bild zeigt aufeinanderliegende Hände von Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Hautfarbe. Es ist ein Ausdruck von Vielfalt. Unternehmen müssen Diversität fördern!

 

Qualitätsprinzip 5: Vielfalt statt Konformismus

Diversität fördern, Kreativität und Resilienz entwickeln!

Vielfalt, „Diversity“, wird seit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung als politischer Begriff verwendet, der die Gleichwertigkeit der unterschiedlichen Rassen, Geschlechter, Ethnien, Altersgruppen, Religionen, sexuellen Orientierungen unterstreicht und gegen Diskriminierung eintritt. In Deutschland hat diese Zielsetzung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 ihren Niederschlag gefunden. In der Unternehmens- und Organisationslehre wurde der Ruf lauter, die wirtschaftlich positiven Potenziale von Vielfalt im Denken, von sozialer und kultureller Herkunft, persönlichen und beruflichen Erfahrungshintergründen, Persönlichkeitsprofilen, Verhaltensweisen, zu erschließen.

“Do you want a collection of brilliant minds or a brilliant collection of minds?”

[Prof. Meredith Belbin]

Schon in den 1970er Jahren fand der Psychologe Meredith Belbin heraus, dass Teams die besten Leistungen erbringen, wenn sie aus Menschen unterschiedlicher Persönlichkeitstypen zusammengesetzt sind. Individuelle Brillanz ist weniger bedeutsam für den Teamerfolg, eine Häufung von brillanten Individuen mit ähnlicher Persönlichkeitsstruktur sogar kontraproduktiv. Belbin entwickelte aus den Untersuchungen seine Lehre und Methodik der neun Teamrollen, die immer noch erfolgreich angewendet wird.

In der Forschung und Lehre zur Sicherheit von Organisationen und Prozessen wurde Diversität als „Safety Value“ (Sidney Dekker), als kritische Komponente für Zuverlässigkeit und Resilienz erkannt.

Das Zusammenwirken von Menschen mit verschiedenen Kompetenzen, Ansichten und Verhaltensweisen ist förderlich für Kreativität und Agilität. Insbesondere in unserer Ära der Wissensgesellschaft und der Komplexität stellt es einen zentralen Leistungsfaktor dar. Spektakulär zeigt sich das in der COVID-19 Krise, da die vielfältigen Anstrengungen zahlreicher, autonomer und doch global vernetzter Forschungsteams rund um den Erdball einen enormen Boost bei der Suche nach Medikamenten und Impfstoffen bewirken.

Diversität gilt heute weit verbreitet als Erfolgsfaktor.

All diesen Erkenntnissen zum Trotz, gibt es in der Praxis erhebliche, meist eher unbewusst wirkende Widerstände gegen die Förderung von Diversität. Denn das Zusammenarbeiten mit Menschen, die wir als ganz anders als uns selbst wahrnehmen, widerspricht unserer evolutionären Grundprägung des „wir“ und „die anderen“. Als fundamentales Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster dient(e) diese Abgrenzung der Stärkung des Zusammenhalts der eigenen Gruppe zur Abwehr der von „den anderen“ ausgehenden Bedrohungen. 

In unseren Organisationen brauchen wir einen Grundkonsens über Werte und Sinn. Innerhalb dessen sollten wir der Vielfalt maximale Entfaltungsmöglichkeiten einräumen.

Nur vielfältige Ideen und Denkweisen versetzen uns in die Lage, hierfür angemessene Lösungen zu finden. Im Zusammenwirken einer möglichst großen Diversität von Menschen wird dies am ehesten gelingen.

 

Wir müssen Kontrolle aufgeben und Diversität fördern!

Wie Sie die Qualitätsprinzipien konkret umsetzen können, erfahren Sie in unserem
Buch Quality Reinvented!
Ab 09.11.2020 im Handel.

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